Der zweite Blick

Ich sehe meine Tochter Marla mit ihrem entzückenden Lachen, ihren unendlich großen Augen, ihren langen Wimpern, ihrem Honigfarbenen Haar und ihrer Lebensfreude als wahre Schönheit. Dazu muss man aber einen zweiten Blick riskieren – einen Blick nach dem ersten Rollstuhl-Blick.

Die wenigsten Menschen sind frei von gesellschaftlichen Normen und frei von Ängsten vor einem Leben, das sich außerhalb dieser gesellschaftlichen Normen bewegt. Nur wenige Menschen haben tatsächlich Kontakt zu Kindern oder Erwachsenen mit Behinderungen. Die anderen müssen deshalb erst einmal ihr Korsett aus Unwohlsein, Unwissenheit, Ängsten und Mitleid ablegen. Bei den meisten geht das schnell, wenn der zweite Blick einmal gewagt wurde. Bei anderen funktioniert das aber überhaupt nicht.

In unserer Gesellschaft sind Gesundheit, Schönheit, Leistung und Erfolg von großer Wichtigkeit. Wer diesen Anforderungen nicht gerecht werden kann, entspricht nicht der Norm. Familien mit behinderten Kindern können nicht den gesellschaftlichen Normen entsprechen. Oft werden sie mit Scheu, Mitleid und gar Ablehnung konfrontiert.

Es gibt heute zwar vielfältige Bemühungen Menschen mit Behinderungen in den Blickpunkt der Öffentlichkeit zu rücken und sie in der Gesellschaft zu integrieren, doch in vielen Köpfen herrschen noch immer noch Vorurteile.

In der Öffentlichkeit belastet das Anstarren der Leute die Familie, die sich schlecht fühlt, wenn sie im unangemessenen Mittelpunkt des öffentlichen Interesses stehen. Durch das Anstarren werden die anderen Familienmitglieder auch als Begleiter des Kindes zu Auffälligen. Hilfreich wird es von vielen Eltern empfunden, wenn sie nicht herausgehoben oder mit Mitleid überhäuft werden, sondern „ganz normal“ wie jede andere Familie behandelt werden.

Wenn die Umwelt nicht mit Ablehnung reagieren würde, dann wäre die Behinderung kein größeres Problem für die Betroffenen. Allerdings merken schon kleine Kinder, wenn sie ignoriert werden, abgelehnt werden oder angestarrt werden.

Ich wünsche mir, dass wir PCH-Familien mit der großen Reise ein Stück dazu beitragen können, dass Menschen mit Behinderungen irgendwann zur Normalität einer Gesellschaft werden. Besonders behinderte Kinder sind derzeit in Deutschland noch ein großes Tabuthema. Nichts rührt mehr als kranke Kinder.

Das Projekt Cruise4Life wünscht sich viele zweite Blicke auf der Reise!

Danke, dass Sie uns so tatkräftig dabei unterstützen!

Herzliche Grüße,

Ihre Tanja von der PCH-Familie e.V.

Kategorien PCH-Familie

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Mit Tanja erleben wir die Kraft, die in der Selbsthilfe steckt und in unserem Verein und im Forum der PCH-Familie e.V. gelebt wird. Ihre Beiträge können auch auf Facebook unter Tanja gelesen werden.

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